„Natur trifft Kunst“ in einer Konzertreihe

19. Mai 2008

Am Freitag erfolgte der Auftakt der Konzertreihe "Begegnungen" der Camerata Salzburg im Mozarteum Salzburg. Der programmatische rote Faden lautet diesesmal "Natur".

Die Karriere von Leonidas Kavakos als Geiger läuft weltweit hervorragend, als Dirigent hat der künstlerische Leiter der Camerata Salzburg international hingegen noch Aufholbedarf. Umso engagierter legte sich der Grieche beim Auftakt-Konzert der Camerata-Reihe "Begegnungen" ins Zeug.

Honeggers "Pastorale d'ete"
So stand Arthur Honeggers "Pastorale d'ete" am Beginn des Konzerts. Der große Schweizer hat in diesem Stück den Lyrik-Zyklus "Les illuminations" von Arthur Rimbaud vertont und Claude Debussy gewidmet. Wunderbar melodisch fließt diese impressionistische "Naturmusik" ohne dramatische Höhepunkte dahin. Zart und unaufgeregt, wie geschaffen für das Ankommen im Konzertsaal und in sich selbst, egal, wie weit man geistig einsteigt in die technischen und musikalischen Details dieses Werkes. Kavakos und die Camerata nahmen Kontakt auf zueinander und zum Publikum, atmeten gemeinsam und schienen vom ersten Takt an den richtig fließenden Ton zu finden.

Beethovens Sonate Nr. 17
Dann aber war Schluss mit der schwelgerischen Besinnlichkeit - Denes Varjon hat sich ans Klavier gesetzt, um Beethovens Sonate Nr. 17 in d-Moll "Der Sturm" zu spielen. Und der Ungar fand nur zögerlich hinein in die wilden, verzweifelt aufbrausenden schnelle Sätze. Die dramatische Kraft Beethovens, der in dieser Sonate die medizinische Gewissheit von seiner unheilbaren Taubheit verarbeitete, fand in Varjon keine kompromisslose Entsprechung. Zu sehr vertändelte der Pianist die motorische und dynamische Radikalität und glättete die Wogen der Natur. Die lyrisch einfühlsamen und intensiv nachempfundenen langsamen Sätze entschädigten und versöhnten mit diesem Beethoven und seinem Interpreten.
Beethovens Symphonie Nr. 6
Im Hauptwerk des Abends - Beethovens fünfsätziger Symphonie Nr. 6 in F-Dur "Pastorale" - präsentierten sich Kavakos und die Camerata von ihrer Schokoladen-Seite. Klein besetzt und daher relativ bläserlastig fegten die Musiker durch dieses exemplarische Stück kunstvoll klingender Natur. In erdig sattem, ausbalanciert wuchtigem und dennoch stets transparentem Klang formte die Camerata alle motivischen Details plastisch aus und verband sie organisch und logisch zu einem Ganzen. Die Tempi und die musikalische Energie stimmten, und das Publikum bedankte sich mit sehr langem Applaus für einen stilistisch nicht neuen, aber zeitgemäßen und vom ersten bis zum letzten Takt fesselnden Beethoven.

© SN/SW

Quelle:www.salzburg.com